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Das Dach fällt den Künstlern nicht mehr auf den Kopf. Bauarbeiten im Tacheles stehen kurz vor dem Abschluss / Demnächst gibt es dort mehr Ateliers als vorher. Michael Prellberg Im März werden die Gerüste vom Tacheles abgebaut. Dann wird die Ruine an der Oranienburger Straße zwar noch immer wie eine Ruine aussehen, aber Angst vor einem Einsturz muss niemand mehr haben. "Jetzt geht's ins Finish", sagt Martin Reiter vom Vorstand des Tacheles-Vereins und er klingt dabei ausgesprochen entspannt. Künstler und Baufirma kommen mittlerweile hervorragend miteinander klar. Das war im Juli, als mit den Sicherungsarbeiten an der Ruine begonnen wurde, noch ganz anders. Die Künstler befürchteten, während des Baubetriebs unter irgendwelchen Vorwänden aus ihren Räumen verdrängt zu werden. Diese Ängste haben sich als unbegründet herausgestellt. "Die Zusammenarbeit wurde immer besser", sagt Reiter heute. "Juwel mit Strahlkraft" Sieben Millionen Mark investiert der Besitzer, die Kölner Fundus-Gruppe, in die Reparatur des Tacheles. Gut investiertes Geld, findet Fundus-Sprecher Otmar Braun: "Das ist doch ein Juwel, mit Strahlkraft nach außen." Eine Aussage, die natürlich nicht wörtlich zu nehmen ist. Das "neue" Tacheles unterscheidet sich auf den ersten Blick nicht vom "alten". Noch immer sind die Treppenhäuser graffiti-besprüht, einzelne Etagen kahl und karg oder eben künstlerisch voll gestellt. Kein aufgeräumter Chic, sondern wucherndes Chaos. Das war der Kompromiss, über den sich Besitzer und Tacheles-Verein geeinigt haben: "nur Sicherungsmaßnahmen". Das bedeutet, dass die Decken verstärkt, eine Heizungsanlage installiert, neue Stromleitungen eingezogen und neue Toiletten eingebaut worden sind. Gut, ein bisschen mehr ist es geworden: neue Wände, neue Decken, neue Treppen. "Wenn man erst mal anfängt, kommt immer etwas dazu", sagt Fundus-Sprecher Braun. Aber jetzt soll das Tacheles die nächsten 20 Jahre ohne größere Reparaturen auskommen. Das ist beruhigend, aber für den Tacheles-Vorstand nicht entscheidend. Den Künstlern ist vor allem wichtig, dass der Kulturbetrieb während der gesamten Bauarbeiten aufrechterhalten werden konnte. Nur das Kino "Camera" im zweiten Stock wird seit August nicht mehr betrieben. Ansonsten gab es während der seit acht Monaten andauernden Bauarbeiten weiterhin Ausstellungen, Theateraufführungen, Workshops, Konzerte und Partys. "Ganz bewusst sind wir präsent geblieben", sagt Reiter. Ein Trotzsignal nach außen: Es gibt uns noch! Die Künstler im Tacheles haben die Bauzeit sogar genutzt, um an ihrem Image als "internationales Kulturhaus" zu arbeiten. Der Austausch mit Künstlern nach Italien und der Tschechischen Republik wurde ausgebaut, Ausstellungen von Künstlern aus Chile und Weißrussland werden derzeit vorbereitet. Die Zahl der Ateliers - derzeit 32 - wird nach Ende der Bauarbeiten auf 42 angewachsen sein. "Spätestens ab Mai ist das Tacheles voll bespielbar", sagt Fundus-Sprecher Braun. Reiter ist überzeugt davon, dass sich das Tacheles-Konzept - ein Haus für freie und zeitgenössische Künstler - bewährt hat. 300 000 Besucher kämen jedes Jahr. Mehr als zwei Drittel der anfallenden Kosten würden selbst erwirtschaftet, "da kommt keine Staatsoper mit", sagt Reiter. Der Vergleich hinkt, denn welch eine Staatsoper hat einen Mietpreis von einer Mark im Monat? Über diese symbolische Summe hinaus zahlen die Künstler im Tacheles nur die anfallenden Betriebskosten, den Quadratmeter zu 5,50 Mark", sagt Reiter. Billig genug für junge und unbekannte Künstler die sich im Tacheles ausprobieren. Zumindest bis 2008 - dann läuft der Mietvertrag aus. Der Tacheles-Vorstand hat bereits vorgefühlt, ob diese Frist verlängert werden könnte. Aber Fundus hält sich bedeckt. Ihr Sprecher Braun sagt: "Das ist doch noch so lang hin ..."
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